Erste historische und relativ einfach dokumentierte Vermessung
Dr. Eberhard Fraas, 17.06.1893
Mit dem Stuttgarter Geologen und Paläontologen Dr. Eberhard Fraas besuchte ein namhafter Wissenschaftler zusammen mit weiteren Sachverständigen die Höhle und nahm erste Untersuchungen darin vor.
Er fand Knochen von eiszeitlichen Tieren, meist Höhlenbären, jedoch keine prähistorischen menschlichen Spuren.

Er war offensichtlich sehr beeindruckt und befand, dass diese Höhle “an Ausdehnung und Schönheit der Tropfsteingebilde alle bis jetzt bekannten Höhlen Württembergs übertrifft und wohl in kurzer Zeit eine der besuchtesten Naturschönheiten der Gegend bilden dürfte“.
Dr. Fraas führte auch umgehend eine erste Vermessung der Charlottenhöhle durch, welche jedoch nicht (mehr) dokumentiert ist. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, dass die praktische Vermessung mit den damalig gebräuchlichen Gerätschaften Theodolit und Messkette erfolgte. Aus diesen Messungen resultiert der nebenstehende sehr einfache Plan im Maßstab 1 : 2000, der jedoch nur in der abgebildeten Darstellung überliefert ist.
Weitere Unterlagen aus dieser Messung waren leider nicht mehr auffindbar.
Gemäß der damaligen Darstellungstechnik wurde in diesem Plan der Grundriss des punktweise aufgenommenen Höhlenganges grafisch vervollständigt. Er zeigt trotz des relativ kleinen Maßstabes sehr anschaulich den tatsächlichen Gangverlauf und dessen ständig variierende Richtung und Breite. Die aktuellen Abstände zum Höhleneingang sind in 50 m Abschnitten angegeben.
Offensichtlich wurden viele Bezeichnungen der Höhlenabschnitte bereits damals bei der Erstbefahrung schon vergeben. Es ist auch hier anzunehmen, dass die Namensgebungen durch die direkt Beteiligten meist spontan und unter dem Eindruck des unmittelbar zuvor erstmalig Gesehenen getroffen wurden.
Interessant ist auch, dass in diesem ersten Plan noch kein Hinweis auf den Hohen Kamin vermerkt ist. Der nach oben im Dunklen verschwindende Schacht wurde sicherlich bemerkt, er war aber zum damaligen Zeitpunkt wegen seiner ungewissen und schwierigen Zugänglichkeit wohl noch nicht von besonderem Interesse. Die zwischen Schatzkammer und Königsthron gut sichtbare Ausbuchtung des Höhlenganges nach NO bezeichnet jedoch den Fußpunkt des später so genannten Hohen Kamins jetzt schon exakt.
Die am westlichen inneren Höhlenende angegebene Verschüttung, heute bezeichnet als Versturz, und die oberirdisch angedeuteten Erdfälle im Walde gerade an dieser Stelle könnten durchaus den Gedanken aufkommen lassen, dass bereits Dr. Fraas schon eine Fortsetzung der Höhle in dieser Richtung vermutete.
Da auch die angetroffenen Luftverhältnisse in der gesamten Höhle immer gut waren, wurde schon damals vermutet, dass im hinteren Teil der Höhle noch unentdeckte Spalten zur darüber liegenden Waldoberfläche bestehen, welche einen ständigen Luftaustausch mit der Höhle ermöglichen. Bei entsprechenden späteren Untersuchungen wurde auch ein regelmäßiger Luftzug in Richtung Höhleneingang festgestellt.

Dieses zeitgenössische Bild zeigt den Eingang in die Charlottenhöhle etwa um 1894. Der Zugang erfolgte wie heute auch von einem kleinen Plateau vor der Höhle durch eine eiserne Gittertüre.
Unten am Hangfuss im Hürbetal stand ein kleines Maschinen-häuschen mit einem Verbrennungsmotor und einem Strom-generator, welcher eine Gleichspannung von 105 V erzeugte. Die beiden hier sichtbaren und insgesamt 570 m langen Bleikabel verliefen vom Maschinenhäuschen zu dem hölzernen Turm, der über dem Hundsloch errichtet worden war, und von da aus nach unten in die Höhle hinein.
In der Höhle selber waren dann an der Decke Querträger mit Glasisolatoren angebracht, an denen die Leitungen und 89 Kohlefaden-Edisonlampen befestigt waren. Somit konnte die Höhle etwa auf ihrer halben Länge beleuchtet werden. Sie war nach damaliger Kenntnis weltweit eine der ersten Höhle mit elektrischer Beleuchtung.
Die offizielle Eröffnung der Charlottenhöhle fand dann am 17. September 1893 mit einem Festakt statt, an dem Dr. Fraas, Oberamtmann Filser und die örtliche Prominenz teilnahmen. Aber auch schon zuvor reisten an Sonntagen 500 bis 1000 Besucher an, um die Höhle zu besichtigen.
Königin Charlotte besuchte “ihre“ Höhle dann am 23. September 1893 offiziell und mit großem Gefolge.


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