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Dritte historische und äußerst ungewöhnlich dokumentierte Vermessung

Autorenbild: Gernot Böttinger
Gernot Böttinger
vor 5 Stunden
3 Min. Lesezeit

Manfred Keller April 1954

Ein im Stadtarchiv von Giengen ganz überraschend vorgefundener großer Plan von 1954 des Schullehrers Manfred Keller gibt allerdings derzeit uns Autoren noch mehrere ungelöste Rätsel auf. Der Plan ist im Original ausgeführt als Bleistiftzeichnung auf Transparentpapier, er ist also offensichtlich noch nicht “fertig“. Er ist zwar beschriftet als Aufrissplan, stellt jedoch die Höhle ohne weiteres erkennbar vor allem im Grundriss dar. Manuelle Bleistifteinträge und Hinweise lassen stark vermuten, dass es sich hier in Wirklichkeit um ehemalige Feldskizzen handelt, die Manfred Keller bei der Höhlenaufnahme als Arbeitsgrundlagen vor Ort geführt hat.

 

Der Höhlengang und die Höhlenräume sind im Grundriss grafisch sehr detailliert ausgeführt, was wiederum auf eine äußerst genaue Vermessung hinweist. Aber eine andere Besonderheit der Darstellung gibt den Autoren noch deutlich mehr zu denken. Es könnte nämlich durchaus sein, dass Manfred Keller die sonst übliche reine Grundrissdarstellung mit einer zusätzlichen speziellen Höhendarstellung zu einem vollkommen neuartigen Plan kombinieren wollte.

 

Vom Höhleneingang geht nämlich im Aufriß eine Linie steil nach oben, wird dann flach und steigt stetig ganz leicht in Richtung Höhlenende an, sie endet dann am hinteren Versturz. Möglicherweise soll damit die Geländeoberfläche über der Höhle etwas generalisiert dargestellt werden. Waren das möglicherweise grafische Hilfselemente zur Konstruktion von Geländeverschneidungen?

 

Ähnliches gilt auch noch für eine Reihe von weiteren grafischen Details und Notizen, deren Bedeutungen uns derzeit noch völlig unklar sind, die aber in die angenommene Richtung von geometrischen Konstruktionselementen weisen könnten. .

 

Man kann nur vermuten, dass diese sonst äußerst unübliche Darstellung der Geländeoberfläche über der Höhle als zusätzlichem Bestandteil eines Grundrissplans von Manfred Keller ganz bewusst so gewählt wurde, mit der Absicht, eine neuartige und noch aussagekräftigere Darstellungsform für Höhlen zu finden, in welcher Grundriss und Aufriss erstmalig in einem gemeinsamen Plan kombiniert sind.

 

Für welchen Zweck und mit welcher Absicht hat Manfred Keller diese Aufnahme und vor allem diese außergewöhnliche Ausarbeitung angefertigt? Wollte er wissenschaftlich und darstellerisch in der Höhlenforschung neue Wege gehen?

 

Leider sind auch von Manfred Keller keinerlei weitere Angaben zu seiner Vermessung und der ganz speziellen Art der Auswertung und seiner aßergewöhnlichen Darstellung der Charlottenhöhle überliefert.

 

Es ist jedoch bekannt und auch aktenkundig, dass Keller damals mit einem anderen Höhlenforscher in heftigem fachlichem Streit lag, siehe  den Hinweis Nr. 508 im Findbuch der Stadt Giengen “Schiedsgerichtsverfahren Friedrich Bänisch – Manfred Keller“.

 

Hatte Keller möglicherweise wegen dieses gerichtlichen Streits das Interesse an dieser Art von klassischer Höhlenforschung verloren? Er wandte sich nämlich in dieser Zeit von den normalen Felshöhlen ab, gründete stattdessen die Höhlentauchgruppe Eschenbach-Göppingen und war seit Beginn der 60er Jahre einer der führenden Höhlentauchpioniere. Dies könnte wohl auch erklären, dass er vorangegangene Höhlenforschungsaktivitäten, wie die in der Charlottenhöhle, bewusst nicht mehr zum Abschluss gebracht hat. Gerade deswegen stellt der Plan von Keller für die Autoren eine ganz besondere Herausforderung dar, da zum Einen keinerlei weitere Details bekannt sind und zum Anderen der vorliegende Plan völlig neue Konstruktionsdetails enthält, deren Absichten und Bedeutung auch heute noch weitgehend unklar sind.

 

Im Mai 2021 hat Wolf-Ulrich Böttinger deshalb Kontakt zu Richard Frank, dem in Forscherkreisen sogenannten “Höhlenfrank“, aufgenommen und versucht, zusammen mit diesem zu etwas mehr Klarheit in der Sache zu kommen. Offensichtlich kannten sich die beiden Protagonisten, Frank und Keller, bereits von früheren Aktionen her. Richard Frank bemühte sich intensiv, Ordnung und Verständnis in die grafischen Darstellungen von Manfrd Keller zu bringen. Auch er sah in dem vorliegenden unfertigen Bleistiftplan den Versuch, Grundriss und Aufriss in einer neuen Weise zu kombinieren und zu interpretieren, fand aber auch keine abschließende und zufriedenstellende Lösung.

 

Diese Vermessung von Manfred Keller und deren merkwürdiger, unvollständiger und nie kömplett abgeschlossener Auswerteversuch bleiben deshalb wohl immer ein Rätsel, das vermutlich nie mehr gelöst werden wird.

 
 
 

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